22.02.2022
Trampolin

Kampfrichter Bernd Köcher im Interview

Kamprichter gibt es in vielen Sportarten. Bernd Köcher übt diese Tätigkeit beim Trampolin aus. Bei der Sportart, der er seit seinem siebten Lebensjahr treu ist.

Seit wann bist du Kampfrichter?
Bernd Köcher:
Ich habe im Alter von 20 Jahren als Kampfrichter angefangen.

Dir wurde der Trampolinsport quasi in die Wiege gelegt …
Bernd:
Das stimmt, mein Vater hat die Trampolingruppe damals in Nied 1974 gegründet und mich dann mit circa sieben Jahren in die Halle geschleppt. Und so bin ich bei der Sportart hängengeblieben. Meine Tochter Maya springt selbst auch aktiv Trampolin.

Wie bist du dazu gekommen?
Bernd:
Damals sollten die Trainer auch gleichzeitig einen Kampfrichterschein im Trampolin machen, weil es die Sinne schärft, worauf die Kampfrichter achten. Nicht, dass man als Trainer den Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen etwas beibringt, was vielleicht gar nicht viele Punkte gibt.

Wie sieht die Ausbildung aus und wie wird die Lizenz erworben?
Bernd:
Es gibt im Trampolin verschiedene Stufen der Ausbildung. Zunächst fängt man mit dem Gau-Kari-Schein an, mit dem man bei regionalen Wettkämpfen eingesetzt werden kann. Im Anschluss kann man eine C-Lizenz erwerben, die für ganz Hessen gilt. Irgendwann in den 90ern habe ich die Fortbildung für die nationale Lizenz absolviert. Hierfür benötigt man die Empfehlung des Landesverbands, in unserem Fall des hessischen. Mit dieser hat man die Berechtigung, bei den Deutschen Meisterschaften eingesetzt zu werden. Zwischen 2005 und 2016 hatte ich außerdem eine internationale Lizenz. Diese ruht jetzt seit rund fünf Jahren. Im nächsten Jahr möchte ich aber eine Auffrischung machen, um wieder die internationale Lizenz zu haben. Diese Ausbildung orientiert sich an dem vierjährigen olympischen Zyklus und findet jeweils im Folgejahr nach den Olympischen Spielen statt. Bis zu den Olympischen Spielen hat es mich zwar noch nicht getragen, aber immerhin bis zu den Europameisterschaften nach Portugal. Zusätzlich bin ich seit einigen Jahren als Kampfrichterausbilder tätig.

Bei anderen Sportarten gibt es Strafen, wenn zu wenig Kampfrichter gestellt werden. Wie ist es beim Trampolin?
Bernd:
Entsprechend der Teilnehmerzahl, die für einen Wettkampf gemeldet wird, müssen wir die Anzahl an Kampfrichtern stellen. Andernfalls gibt es bei uns ebenfalls Strafen. Dementsprechend ist für die Vereine der Anreiz da, genügend Kampfrichter auszubilden.

Es macht einfach Spaß, die Sportler deutschlandweit zu begleiten

Bernd Köcher

Viele Vereine beklagen, dass es immer schwieriger sei, Freiwillige für dieses Amt zu finden. Wie ist die Situation in deiner Sportart?
Bernd:
Im Trampolin sind wir in einer komfortablen Situation. Wir haben vier Kampfrichter mit Gau-Schein, vier Landes-Kampfrichter und sogar sechs auf Bundesebene. Wenn unsere Aktiven teilweise in ganz Deutschland unterwegs sind und auch an vielen Wochenenden, haben wir einen großen Vorteil, über einige Bundes-Kampfrichter zu verfügen. So können wir die Wettkämpfe auf mehrere Köpfe verteilen und haben nicht den gleichen Reisestress wie unsere Athleten.

Wie akquiriert bzw. motiviert ihr die Personen zu diesem Job?
Bernd:
Wir erklären schon den Jugendlichen, dass sie einen Schein erwerben sollten. Denn so lernen sie, worauf sie achten müssen, um sich zu verbessern. Aber es ist jetzt nicht so, dass der Job für jeden passt, weil er für den ein oder anderen vielleicht zu abstrakt oder zu zeitaufwändig ist. Dementsprechend muss man eine Art Pyramide bauen, das heißt. am Anfang viele ausbilden. Einige von ihnen kommen nach und nach in höhere Kategorien und bleiben länger dabei. Außerdem ist es schön und macht es Spaß, Sportler in ganz Deutschland oder auch auf internationale Wettkämpfe zu begleiten.

Wie oft kommt es vor, dass sich Zuschauer beim Trampolin einmischen?
Bernd:
Bei uns ist das Publikum eher handzahm. Strafen gibt es aber für Trainer, wenn sie unerlaubterweise während der Übungen ihren Athleten etwas zurufen. In letzter Zeit schleicht sich allerdings immer mehr ein, dass man Vereinsmitglieder auf die Stühle setzt, um Einfluss zu nehmen.

Bernd, beim Trampolin geht es um Ästhetik. Der eine Athlet hat sicherlich etwas mehr Ausstrahlung, der andere weniger. Beeinflusst das nicht als Wettkampfrichter – wenn auch unbewusst?
Bernd:
Natürlich ist das etwas, was auch mit reinspielt. Es gibt Elemente, die bei dem einen Athleten besser aussehen als bei dem anderen. Und auch wenn beide vielleicht keine objektiven Fehler gemacht haben, kann die objektive Wahrnehmung schon eine andere sein. Es muss nicht alles, was technisch richtig ist, superästhetisch aussehen. Deshalb haben wir aber je nach Wettkampf vier bis sechs Kampfrichter, die alle ihre Meinungen haben und bewerten. Am Ende fließen die beiden mittleren Werte von den vier oder sechs rein. So versucht man die Extremwahrnehmungen herauszufiltern. Das klappt ganz gut.

In Bruchteilen von Sekunden musst du im Trampolin als Kampfrichter bewerten. Keine leichte Aufgabe. Weißt du im Vorfeld, welche Elemente ein Turner zeigen wird?
Bernd:
Das stimmt, es geht alles sehr schnell und man muss innerhalb von Zehntelsekunden entscheiden, aufschreiben und zeitnah das Ergebnis verkünden. Der Zeitdruck ist da, ein geschultes Auge muss da sein. Von daher ist es sehr hilfreich, dass jeder Sportler eine Wettkampfkarte ausfüllen und seine Übungen vorher beim Kampfrichter einreichen muss. So kann man als Kampfrichter schon mal einschätzen, was gleich auf einen zukommt und in welchem Bereich sich der Turner etwa bewegen wird.

Für mich ist es die Sportart, die mich motiviert. Sie ist ästhetisch und insbesondere dann schön anzuschauen, wenn es Sportler noch sehr gut können.

Bernd Köcher

Wie viele Einsätze hast du etwa in einer Saison beziehungsweise in einem Jahr?
Bernd:
Ich habe etwa zehn bis 15 Einsätze in einem Jahr.

Wie viel Zeit musst du an solch einem Wettkampf- beziehungsweise Spieltag aufwenden?
Bernd:
Wir sind bereits mit den Sportlern in der Halle, das heißt circa zwei Stunden vor Wettkampfbeginn. Wenn wir deutschlandweit als Kampfrichter eingesetzt sind, dann kommt es schon vor, dass man freitags anreist und am Sonntag zurückkommt. International war ich vor einigen Jahren in Portugal eingeteilt. In dem Fall bin ich bereits am Mittwoch angereist und erst am Montag zurückgekommen.

Es ist ein enormer Zeitaufwand, und du bekommst wenig Aufwandsentschädigung. Warum opferst du so viel Zeit? Was ist deine Motivation?
Bernd:
Für mich ist es die Sportart, die mich motiviert. Sie ist ästhetisch und insbesondere dann schön anzuschauen, wenn es Sportler noch sehr gut können. Wenn man dann noch sieht, wie sich Trampolin in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt hat, motiviert das. Mir geht es außerdem auch wie Marko: Trampolin ist ebenfalls noch eine Randsportart und dadurch sehr familiär. Es macht einfach Spaß.

Gab es besondere Erlebnisse?
Bernd:
Bei einem Wettkampf ist das Licht ausgefallen, als gerade ein Sportler in der Luft war. Dieser konnte glücklicherweise noch gut abbremsen, sodass nichts passiert ist.

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